Hochzeitslied



Die traurig prächtige Braut

Komm heraus, komm heraus du schöne, schöne Braut,
deine guten Tage sind alle alle aus.
O Wehele weh, o Wehele weh!
Was weinet die schöne Braut so sehr,
mußt die Jungfern lassen stehn,
zu den Weibern mußt du gehen.

Lege an, leg an, auf kurze kurze Zeit
darfst du ja wohl tragen das schöne Hochzeitskleid.
O Wehele weh, o Wehele weh!
Ach was weinet die schöne Braut so sehr!
Mußt dein Härlein schließen ein
in dem weißen Häubelein.

Lach nicht, lach nicht, deine rote rote Schuh
werden dich wohl drücken, sind eng genug dazu.
O Wehele weh, o Wehele weh!
Ach was weinet die schöne Braut so sehr!
Wenn die andern tanzen gehen,
wirst du bei der Wiege stehn.

Winke nur, winke nicht, sind gar leichte leichte Wink,
bis du an dem Finger einen goldnen Hochzeitsring.
O Wehele weh, o Wehele weh!
Ach was weinet die schöne Braut so sehr!
Goldene Ketten legst du an
mußt in ein Gefängnis gahn.

Spring heut, springe heut deinen letzten letzten Tanz,
morgen kannst du weinen auf den schönen Hochzeitskranz.
O Wehele weh, o Wehele weh!
Ach was weinet die schöne Braut so sehr!
Mußt die Blumen lassen stehn,
auf den Acker mußt du gehen.

aus Des Knaben Wunderhorn, zsg. von Arnim und Brentano


Wenn sich zwei Herzen finden

Wenn sich zwei Herzen finden
Auf wiesengrünem Plan,
Und schauen unter Linden
Sich maienselig an:
Du mein, ich Dein, auf immerdar!
Wie frisch der Hauch, wie frühlingsklar,
Wenn sich zwei Herzen finden
Auf wiesengrünem Plan!

Wenn sich zwei Augen winken
In liebesüßem Weh,
Recht wie die Sterne sinken
In duftumflossnen See:
Du mein, ich Dein, auf immerdar!
Wie kühl der See, wie abendklar -
Wenn sich zwei Augen winken
In liebesüßem Weh.

Wenn sich zwei Hände schlingen
In süßgeheimen Bund,
Und alle Himmel klingen
Aus tiefstem Herzensgrund:
Du mein, ich Dein, auf immerdar!
Wie schön die Zeit, wie rosenklar -
Wenn sich zwei Hände schlingen
In süßgeheimen Bund!

Sammlung von Gelegenheitsgedichten, 1852


Stimmt zum frohen Hochzeitreigen

Stimmt zum frohen Hochzeitreigen
Heut' ein Lied der Freude an,
Stimmt die Bratschen, stimmt die Geigen
Jeder singe, wie er kann.
Lebet glücklich, lebet hoch!
Hundert Jahr, wie heute noch.

Lebet froh nach deutscher Sitte,
Leb't harmonisch im Verein,
Ja, nur in der Freunde Mitte
Findet man das Glück allein.
Freunde leben mit Euch hoch!
Hundert Jahr, wie heute noch.

Stets umglänzt vom Sonnenscheine,
Wallet froh durch's Leben hin,
Möge nie der Sorgen eine
Stören Euren frohen Sinn.
Lebet sorgenfrei, lebt hoch!
Hundert Jahr, wie heute noch.

Wenn beglückt im Jubelkranze,
Ihr von Kindern dann umringt,
Und die Enkelschar beim Tanze
Um Euch Blumen ketten schlingt.
Ach', gewiss, Ihr denkt dann doch
Eurer alten Freunde noch.

Sammlung von Gelegenheitsgedichten, 1852


Wir feiern im fröhlichen Kreise

Wir feiern im fröhlichen Kreise
Den Festtag der Liebe so schön,
D'rum wollen wir aber auch weise
Mit Singen und Tanz ihn begeh'n!

Vor Allem ein Wünschchen den Beiden,
Um die wir versammelt hier steh'n:
O möchtet auch Ihr unter Freuden
Den goldenen Hochzeitstag seh'n!

Seid immer recht gern bei einander,
Habt täglich Euch inniger lieb;
Dann könnt' auch von Herzen Ihr singen!
Ach, wenn es doch immer so blieb!

Wir aber besuchen Euch wieder.
Wenn neun Mal sich füllte der Mond;
Und singen die fröhlichsten Lieder,
Dass Liebe so schön Euch gelohnt!

Auf, lasset die Glaser erklingen
Zur Schönheit des Festes nur noch;
Und singet mit lauteren Stimmen:
"Das Brautpaar soll leben recht hoch!"

Sammlung von Gelegenheitsgedichten, 1852


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